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Schreibmythen Teil 2 – weitere Irrtümer über das Schreiben


Bereits im ersten Teil meiner kleinen Themenreihe habe ich mich mit bekannten Schreibmythen beschäftigt. Doch natürlich gibt es noch viel mehr. Denn die Liste der hartnäckigen Irrtümer rund um das Schreibhandwerk ist lang. Im Lektorat begegnen mir manche davon mit erschreckender Beharrlichkeit.

Lektorat Moosbuchner, glücklichschreiben

Diese Mythen können Schreibende jedoch stark verunsichern, unnötigen Druck erzeugen oder sogar quälende Schreibblockaden auslösen. Deshalb werde ich in diesem Artikel einen Blick auf fünf weitere Schreibmythen werfen, die Sie mit gutem Gewissen beiseitelegen dürfen.


Mythos Nr. 1: „Gute Ideen kommen ganz von allein.“

 

Kommt Ihnen gerade ein sehnsüchtiges Seufzen über die Lippen? Das verstehe ich gut. Wie schön wäre es, einfach entspannt auf dem Sofa zu sitzen, einen Tee oder Kaffee zu trinken – und schwupps landet die perfekte, fertige Romanidee in Ihrem Kopf. Leider warten viele Schreibende tatsächlich tage-, wenn nicht sogar wochen- oder monatelang vergeblich auf diese „eine, zündende Idee“.

 

Doch Inspiration kommt nicht zu Schreibenden, die stumm auf sie warten. Sie tummelt sich dort, wo Menschen aktiv kreativ sind. Ideen entstehen oft während der kreativen Arbeit – beim Weltenbau, bei der Figurenentwicklung, während der Recherche oder auch einfach im Zuge einer kreativen Lockerungsübung oder einer kreativen Tätigkeit, die überhaupt nichts mit dem Schreiben zu tun hat. Bleiben Sie also nicht im Stillstand. Die Muse liebt Bewegung.


Mythos Nr. 2: „Man darf nie etwas löschen.“

 

Es schmerzt und das ist verständlich. Schließlich haben Sie intensiv Zeit investiert, einen Text, eine Szene, ein Kapitel etc. zu verfassen. Und dann sollen Sie das einfach löschen? Viele Schreibende scheuen sich davor, Szenen oder ganze Kapitel zu streichen. Doch Loslassen ist nicht der Feind guter Texte, sondern ihr bester Freund.

 

Die meisten Texte werden durch gut durchdachte Streichungen klarer, dichter und intensiver. Weglassen ist daher kein Verlust, sondern ein wichtiges Werkzeug. Wenn Sie etwas löschen, schaffen Sie damit Raum für etwas Neues – z. B. für eine Szene, die noch besser passt.

 

Ein Tipp: Legen Sie sich einen Ordner für gelöschte Texte an. So haben Sie nicht das Gefühl, dass Ihre Arbeit umsonst war. Und wer weiß … vielleicht wird der ein oder andere gestrichene Text zu einem anderen Zeitpunkt wieder zum Leben erweckt.


Mythos Nr. 3: „Nur komplexe Plots sind erfolgreich.“

 

Interessant ist, dass dieser Mythos erstaunlich viele Schreibende davon abhält, ihre Geschichte überhaupt zu beginnen. Es ist richtig, dass komplexe Handlungsstränge fesselnd sein können – aber das ist keine Garantie und auch kein Muss. Viele erfolgreiche Romane leben nicht von komplizierten Wendungen, sondern mehr von emotionaler Tiefe, authentischen Figuren und innerer Spannung.

 

Ein einfacher Plot kann also hervorragend funktionieren, wenn er klar strukturiert und leidenschaftlich erzählt wird.


Mythos Nr. 4: „Man muss nach festen Regeln schreiben.“

 

Wer viele Schreibratgeber liest, wird diesem Mythos vielleicht auch schon einmal in die Fänge geraten sein. Auch ich gebe im Lektorat Tipps, die in allen guten Schreibratgebern enthalten sind. Aber nicht als Gesetz, sondern als Angebot.

 

Merken Sie sich: Keine Regel ist in Stein gemeißelt. Kreatives Schreiben soll genau das sein: kreativ. Hier dürfen bestehende Formen gedehnt oder auch gebrochen werden. Sie haben die Möglichkeit, mit ihnen zu spielen und Neues zu wagen. Regeln bieten dabei die nötige Orientierung. Aber sie sollten nie Ihre Fantasie einschränken oder Ihren Text in ein Korsett zwängen. Trotz allem ist es jedoch wichtig, die gängigen Schreibregeln zu kennen, um sie dann bewusst verändern oder brechen zu können.


Mythos Nr. 5: „Schreiben darf keinen Spaß machen.“

 

Dieser Mythos ist wohl einer der traurigsten. Häufig wird erfolgreichem Schreiben ein quälender, ernster Prozess unterstellt, durch den sich die Schreibenden durchbeißen müssen. Natürlich ist Schreiben auch immer mit einer gewissen Arbeit verbunden, wenn Sie ein bestimmtes Ziel erreichen möchten. Doch gerade der Spaß am kreativen Ausdruck bringt Energie, Authentizität und Lebendigkeit in Ihre Texte.

 

Freude ist daher kein Zeichen mangelnder Professionalität, sondern eher der Treibstoff für Ihren Schreibprozess. Erlauben Sie sich daher ruhig, beim Schreiben zu lachen, mit der Sprache zu spielen oder sich in Ihre eigenen Figuren zu verlieben.


Fazit

 

Schreibmythen können unbewusst enormen inneren Druck aufbauen und Sie so von Ihrem ganz eigenen Weg abbringen.

Vergessen Sie nie: Es gibt kein universelles Erfolgsrezept. Jeder Schreibprozess ist so individuell wie die Story selbst – und wie die Menschen dahinter, die sie erzählen. Lösen Sie sich daher von diesen Mythen und gewinnen Sie Vertrauen in Ihre eigene Stimme.


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