Erzählmuster, auch als „Tropes“ (aus dem Englischen) bekannt, gehören zu den grundlegenden Instrumenten des literarischen Handwerks. Für viele Schreibende sind sie eine im Vorfeld durchdachte Entscheidung. Tropes schaffen unmittelbare Verbindungen zwischen Figuren und Lesenden, wecken Erwartungen und ermöglichen es Autorinnen und Autoren, ihre Stories mit emotionaler Tiefe zu füllen.
In diesem Blogartikel erfahren Sie mehr über den gezielten Einsatz von Tropes, ihre Vorteile und die Herausforderungen. Zudem gibt es noch einige Tipps für die Umsetzung beim Schreiben.
Was sind Erzählmuster?
In der Rhetorik ist ein Trope der Oberbegriff für eine Gruppe von Stilmitteln, die durch eine bildhafte und/oder übertragene Ausdrucksweise gekennzeichnet sind – wie z. B. Metaphern, Allegorien oder die Ironie.
In der modernen Literaturwissenschaft bezeichnen Erzählmuster:
- wiederkehrende Handlungsmuster
- vertraute Themen und Motive
- typische Figurenkonstellationen
Tropes gleichen also bekannten Melodien, die alle Lesenden sofort wiedererkennen.
Bekannte Tropes
Einige Muster haben sich über Genres und Generationen hinweg etabliert und gehören heute im Grunde zum festen Repertoire in den jeweiligen Genres. Ein paar der bekanntesten Erzählmuster sind:
- Forbidden Love: Zwei Figuren lieben sich, doch äußere Umstände, gesellschaftliche Normen oder feindliche Seiten stehen ihrer Verbindung im Weg.
- Friends-to-Lovers: Hier entwickeln sich bei einer tiefen Freundschaft langsam romantische Gefühle, oft begleitet von inneren Konflikten und Missverständnissen.
- Enemies-to-Lovers: Eine anfängliche Feindschaft entwickelt sich im Verlauf der Geschichte zu unerwarteten, gegenseitigen Gefühlen.
- Chosen One: In diesem Fall wird eine Figur als „auserwählt“ betrachtet. Das Schicksal der Welt liegt sozusagen in ihren Händen.
- Grumpy & Sunshine: Hier geht es um zwei gegensätzliche Charaktere. Der Kontrast erzeugt Spannung und Wärme zugleich.
- Redemption Arc: Eine Figur mit dunkler Vergangenheit sucht und findet den Weg zur inneren Läuterung.
- Chosen Family: Dabei geht es nicht um die Herkunftsfamilie, sondern um selbst gewählte Bindungen, die die Identität und den Weg der Hauptfigur prägen.
Vorteile von Tropes
- Direkte Verbindung: Lesende erkennen das vertraute Muster früh und entwickeln direkt einen emotionalen Bezug zur Geschichte bzw. zur Handlung.
- Klare Erwartungen: Klar formulierte Tropes helfen Schreibenden dabei, bestimmte Erwartungen der Lesenden zu stärken. Diese sollten natürlich auch erfüllt werden.
- Emotionale Wirkung: Erzählmuster unterstützen Schreibende dabei, tiefgreifende Gefühle zu erzeugen und das Leseerlebnis dadurch zu intensivieren.
- Marketing: Klar formulierte Tropes können die Verkaufschancen eines Buches oder einer Geschichte deutlich verbessern.
Herausforderungen beim Einsatz von Tropes
- Klischees: Werden zu viele Klischees in einer Story bedient, kann dies dazu führen, dass die Geschichte an Tiefe verliert und überspitzt oder künstlich wirkt. Die Dosis macht das Gift.
- Überladung: Erzählmuster sollten nicht alle gleichzeitig auftreten. Zu viele zentrale Tropes wirken in einem Roman schnell unübersichtlich und verwirren die Lesenden.
- Mangelnde Originalität: Werden Tropes ohne eine persönliche Ausgestaltung umgesetzt, besteht die Gefahr, dass Geschichten schnell austauschbar wirken.
Tropes als Ausgangspunkt für Ihre kreative Eigeninterpretation
Eine sehr kreative Möglichkeit beim Einsatz von Erzählmustern besteht darin, sie nicht einfach zu übernehmen, sondern sie zu hinterfragen, zu durchbrechen oder sogar vollständig neu zu interpretieren. Vor allem die Erwartungshaltung der Lesenden an vertraute Muster macht es möglich, eine besondere Wirkung zu erzeugen, wenn klassische Tropes bewusst verändert und auf unerwartete Weise erfüllt werden.
Beispiele für kreative Eigeninterpretationen:
- Perspektivwechsel: Was wäre, wenn nicht die Heldin oder der Held, sondern die antagonistische Figur die oder der „Chosen One“ ist – und diese Rolle mit allen Widersprüchen auslebt?
- Genreverschiebung: Ein klassischer Forbidden-Love-Trope, eingebettet in eine dystopische Gesellschaft, gewinnt dadurch eine politische Dimension, die das Muster transformiert.
- Muster brechen: „Enemies to Lovers“ endet z. B. nicht in einer Liebesbeziehung, sondern in der Erkenntnis, dass die Figuren trotz gegenseitigen Respekts nicht zueinander passen. Diese Erkenntnis kann ebenso authentisch sein wie eine Romanze.
- Kulturelle Umdeutung: Erzählmuster, die beispielsweise in einen anderen kulturellen Kontext gesetzt werden, können eine neue Bedeutung erhalten und ermöglichen es den Schreibenden, andere Perspektiven sichtbar zu machen.
Tropes sind also keine festen Schablonen, denen Sie beim Schreiben folgen müssen. Betrachten Sie sie eher als Einladungen, um mit Traditionen, dem Genre und den Erwartungen des Publikums zu experimentieren.
Tipps für Autorinnen und Autoren
- Entscheiden Sie vorab: Legen Sie vor Beginn des Schreibprozesses fest, welche Tropes zu Ihrer Geschichte passen, und setzen Sie diese konsequent um.
- Persönliche Note verleihen: Nutzen Sie klassische Muster und gestalten Sie diese auf kreative, unerwartete Weise.
- Kombinieren Sie bewusst: Tropes können sich gegenseitig verstärken, doch zu viele Muster verlieren ihre Wirkung und machen die Handlung schnell unübersichtlich.
- Nutzen Sie Tropes für Ihr Marketing: Schreiben Sie die verwendeten Tropes klar und verständlich in Ihrer Buchbeschreibung. Viele Lesende suchen gezielt nach bestimmten Tropes.
Fazit
Tropes sind keine bloßen Klischees, sondern wertvolle literarische Mittel. Sie bieten Ihnen Raum für kreative Freiheit. Richtig angewendet können sie Geschichten unvergesslich machen, ihre emotionale Wirkung intensivieren und das Buch auf dem Markt besser positionieren.
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