Das Lektorat – Freund oder Feind?

Immer wieder stoße ich in Social Media auf Diskussionen darüber, ob ein Lektorat überhaupt nötig ist oder sich Schreibende diese Dienstleistung nicht sparen können. Gerade aus Autorinnensicht kann ich die negativen Aussagen durchaus verstehen. Ein Lektorat oder Korrektorat hat seinen Preis und den muss man erst einmal bezahlen können.

 

Dennoch würde ich persönlich sagen, dass ein Lektorat für Ihr Manuskript unabdingbar ist. Wahrscheinlich werden Sie jetzt denken, dass ich diese Aussage als Lektorin natürlich treffen muss – und damit haben Sie auch nicht Unrecht, denn wenn ich nicht hinter meiner Arbeit und deren Wichtigkeit stehen würde, hätte ich eindeutig den falschen Beruf gewählt.

 

In diesem Blog möchte ich Ihnen jedoch drei der – für mich – wichtigsten Punkte aufzählen, die das professionelle Lektorat gerade im Selfpublishing unverzichtbar machen.

 

Dabei werde ich mich nicht mit den klassischen Argumenten wie dem Finden von kleineren Logikfehlern oder Rechtschreibfehlern auseinandersetzen, sondern werde mich auf 3 Punkte fokussieren, die in den Diskussionen meist untergehen oder gar nicht beachtet werden.

 

1. Die Konkurrenz

Wenn ich mein Buch im Selfpublishing auf den Markt bringen möchte, muss ich mich unweigerlich mit der Konkurrenz auseinandersetzen. Und die ist äußerst zahlreich. Um im Buchmarktdschungel bestehen zu können, versuche ich also, den Lesenden ein möglichst professionelles Produkt anzubieten, das mit der Verlagskonkurrenz mithalten kann. Für Schreibende, die über einen Verlag veröffentlichen, ist die Zusammenarbeit mit einem Lektorat absolut selbstverständlich. Warum sollte ich dann im Selfpublishing auf diese Möglichkeit verzichtet werden?

 

2. Die Betriebsblindheit

Niemand entkommt ihr, alle haben irgendwann mit ihr zu kämpfen und auf jeden Fall erwischt es die Schreibenden. Warum? Das ist einfach erklärt: Sie haben die Idee für eine Geschichte. Den Anfang, den Verlauf mit seinen Höhen und Tiefen, die Charaktere, das Ende – alles haben Sie beim Schreiben direkt vor Augen. Die Welt, wie Sie sie erschaffen haben, ist Ihnen bis ins letzte Detail absolut klar und beinahe greifbar nah. Dann beginnen Sie mit der Überarbeitung und irgendwann sind Sie soweit zufrieden mit Ihrem Werk, dass Sie bereit für die Veröffentlichung sind. Geben Sie dieses Manuskript nun ins Lektorat, passiert es häufig, dass dort bspw. erzählerische Lücken oder auch Plot Holes gefunden werden, die Sie überhaupt nicht gesehen haben. Denn in Ihrem Kopf existiert die Geschichte bereits vollständig bis ins kleinste Detail. Doch dies gilt nicht für die Lesenden, denn diese lesen alles zum ersten Mal. Um also den typischen Fehlern durch die Betriebsblindheit zu entgehen, kann Ihnen ein professionelles Lektorat auf jeden Fall helfen.

 

3. Die eigene Weiterentwicklung

Ein Lektorat hilft Ihnen nicht nur, Ihr Werk für die passende Zielgruppe zu formen und Fehler auszumerzen. Es unterstützt Sie auch in Ihrer handwerklichen Entwicklung in Bezug auf das Schreiben selbst. Durch ein professionelles Lektorat können Sie sehr viel lernen und Ihren eigenen Stil finden, formen und/oder weiter festigen. Dieser Vorteil ist nicht zu unterschätzen. Man hört niemals auf, Neues dazuzulernen. Selbst die berühmtesten Schreibenden gewinnen dem Lektorat stets etwas für sich ab. Auf diese Möglichkeit der Weiterentwicklung zu verzichten, wäre eine vergebene Chance.

 

An dieser Stelle noch ein paar Worte zum Thema „Testlesende“: Diese Möglichkeit der Unterstützung ist eine feine Sache, die gerade bei den ersten Überarbeitungsdurchgängen hilfreich sein kann. Bedenken Sie jedoch, dass Sie von den meisten Testlesenden immer ein subjektives Feedback erhalten werden, das nicht mit der Masse vergleichbar ist. Ebenso befinden sich unter den Testlesenden häufig Menschen, die nicht der passenden Zielgruppe Ihrer Geschichte entsprechen. Somit ist das „Testlesen“ eine erste Unterstützung, ersetzt allerdings nicht ein professionelles, objektives Lektorat.

 

Übrigens gebe auch ich meine eigenen Werke stets in die Hände eines Lektorats, denn auch ich leide bei all meinen Schreibprojekten unter Betriebsblindheit und freue mich immer über die Möglichkeit, meinen Schreibstil weiterentwickeln zu können.

 

Mein Fazit

Ob Verlag oder Selfpublishing – alle, die das Ziel der Veröffentlichung haben, profitieren von einem guten Lektorat/Korrektorat. Es ist stets ein Gewinn für die Schreibenden, aber auch für die Lesenden.

 

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Ein Lektorat und/oder Korrektorat bedeutet nicht, dass Ihr Werk danach zu 100 % fehlerfrei sein wird. Dies gilt sowohl für Veröffentlichungen im Verlag als auch im Selfpublishing. Denn wir alle sind Menschen und nicht perfekt.

 

 

Sie haben noch Fragen zu diesem Artikel oder sind auf der Suche nach einem passenden Lektorat/Korrektorat für Ihr Werk? Dann kontaktieren Sie mich gern über mein Anfrage-Formular oder schreiben mir direkt an mail@lektorat-moosbuchner.de.